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Krankenhausdigitalisierung

Behand­lungs­ex­zel­lenz durch Care Navi­ga­tion

Der neue Trend in der Gesund­heits­bran­che heißt “Care Navi­ga­tion”. Doch was genau versteht man unter diesem Begriff? Und woher kommt das Bedürf­nis danach? Über diese Frage disku­tierte Dr. Regina Vetters, Partner Stra­t­egy & Tran­sac­ti­ons Heal­th­care bei Ernst & Young im Panel “Care Navi­ga­tion” im Health IT Forum der MEDICA mit Dr. Timothy Mende, Gründer und CEO von kumi health GmbH, Jussi Määttä, Co-Gründer und CEO von Buddy Heal­th­care und Johanna Nüsken, Mana­ging Direc­tor beim BKK Dach­ver­band.
Katrin Stuber Marketing & Communication
© Wright Studio/shutterstock.com

„Wir stecken immer noch in einer alten Welt fest, in der Ärzte im Grunde alles, was sie tun, in ihren Köpfen oder auf einem Stück Papier in der Jack­en­ta­sche mit sich herum­tra­gen“

“Wir stecken immer noch in einer alten Welt fest, in der Ärzte im Grunde alles, was sie tun, in ihren Köpfen oder auf einem Stück Papier in der Jackentasche mit sich herumtragen”, erklärte Dr. Timothy Mende seine Sicht auf die Situation. “Der Arbeitsalltag in Kliniken ist aber inzwischen viel zu komplex, dies weiterhin so zu tun. Das ist weder nachhaltig, noch effizient, noch bekommt man dadurch die Behandlungserfolge, die man gerne hätte”, so der Arzt weiter. “Wenn wir schon nicht das Ergebnis kontrollieren können, dann müssen wir den Prozess kontrollieren, damit wir immer das bestmögliche Ergebnis erreichen. Und hier kann in deutschen Kliniken einiges getan werden.” Dr. Timothy Mende weiß wovon er spricht, denn seine Softwareplattform Kumi setzt genau da an, wo gute Patientenversorgung oft zu scheitern droht: Im Krankenhausalltag. Kumi hilft klinischen Teams den Arbeitsalltag anhand von digitalen Behandlungspfaden besser zu strukturieren und das Behandlungsergebnis konstant zu verbessern, also die Behandlungsexzellenz zu standardisieren. 

Krankenhausentscheider:innen haben täglich viele Herausforderungen zu bewältigen. So steigt die Zahl der Patient:innen stetig, bei kürzerer Verweildauer und steigendem Effizienzdruck. Digitalisierung kann hier Entlastung bringen. Darüber sind sich alle Panelteilnehmer einig. Jussi Määttä hat mit seinem Startup Buddy Healthcare ebenfalls ein digitales Tool entwickelt. Es wird aber von den Patient:innen selbst genutzt. Es soll ihnen helfen, vor und nach dem Aufenthalt mit dem Krankenhaus in Kontakt zu treten. So wird der Aufnahmeprozess verkürzt und die behandelnden Ärzte erfahren auch nach Entlassung, wie es den Patient:innen geht. Jussi Määtä ist Finne und vertreibt sein Produkt sowohl in seinem Heimatland, als auch in sechs weiteren europäischen Ländern. Auch mit deutschen Krankenhäusern kennt er sich aus. “Die Herausforderungen in den Krankenhäusern sind hierzulande nicht anders als in Finnland, aber das Gesundheitssystem ist sehr viel komplexer.” Von Krankenversicherungen, über niedergelassene Ärzte, Apotheken bis hin zu den Krankenhäusern gibt es viele Interessengruppen zu berücksichtigen. 

Johanna Nüsken ist seit mehr als zehn Jahren im deutschen Gesundheitswesen tätig. Aktuell beschäftigt sie sich beim BKK Dachverband als Referentin für Politik sehr intensiv mit Themen der ambulanten und integrierten Versorgung. Sie brachte eine weniger technische Sicht mit in die Diskussion. Das Bedürfnis nach “Care Navigation” begründete sie unter anderem mit der Überalterung der Bevölkerung. “Chronische Erkrankungen nehmen zu. Es geht also nicht nur darum akute Krankheiten zu behandeln. Es geht auch darum, Menschen zu begleiten, die mit einer Krankheit zu leben haben”, so die Expertin. “Care Navigation” erleichtere diesen Menschen den Zugang zu Versorgung und Pflege, sowie zu den relevanten Informationen, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten entsprechen. “Kranke Menschen brauchen die richtige Versorgung durch die richtige Person am richtigen Ort und zur richtigen Zeit”, definierte Johanna Nüsken den Begriff. Das Gesundheitssystem beeinflusse die Gesundheit der Bevölkerung aber nur zu etwa 10 Prozent. “Wir brauchen daher einen breiten Blickwinkel, wenn wir von Care Navigation sprechen.”

„Im Idea­l­fall unter­stützt Tech­no­lo­gie Menschen dabei, die Versor­gung von Patient:innen besser zu koor­di­nie­ren“

Sie sieht in der Komplexität des deutschen Gesundheitssystems nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen. “Alle Stakeholder wollen in diesem Ökosystem eine tragende Rolle spielen”, so Johanna Nüsken “aber das ist gut so, denn die Krankheiten und Bedürfnisse der Menschen sind so unterschiedlich, dass man für die einzelnen Bereiche “Best Practices” entwickeln kann.” Sie plädierte dafür den Begriff Care Navigation sehr breit auszulegen. Damit können Menschen als Unterstützer für Patientinnen und Patienten verstanden werden oder aber auch Technologieplattformen.

“Im Idealfall unterstützt die Technologie Menschen dabei, die Versorgung so zu koordinieren, dass es effizient und kostengünstig ist und die Patient:innen am Ende die bestmögliche Behandlung erhalten”, fasste Dr. Timothy Mende am Ende des Panels zusammen.